Die Historie der Dachdeckerinnung Bochum

1698 Deutsches Ständebuch. Quelle: Deutsche Fotothek

Der Anfang des Bochumer Dachdeckerhandwerks:

Dächer und Dacheindeckungen sind so alt wie die Menschheit selbst.
Die ersten Schutzmaßnahmen, die der Mensch für sich entdeckte waren Baumrinden, Stroh oder pflechtbares Pflanzenwerk.

Mit der Entwicklung der Menschheit haben sich die Arbeiten, Aufgaben und Techniken des Dachdeckers bis zur heutigen Zeit stets weiterentwickelt.
Die Zielsetzung ist bis heute gleich geblieben: dass Dach soll die Menschen vor Gefahren und Umwelteinflüssen jedweder Form schützen.

Der selbstständige Beruf des Dachdeckers hat seinen Ursprung seit dem 13. Jahrhundert unter den Bezeichnungen Ziegler, Leiendecker, Steindecker oder Schieferdecker bekannt.

Angeregt durch die französische Revolution und die dann einsetzende Industrialisierung setzt sich in Europa des 19. Jahrhunderts langsam die Gewerbefreiheit durch, die jedem Bürger das Recht zubilligt, ein Handwerk eigener Wahl ausüben zu dürfen.

Am 2. November 1810 wird die Gewerbefreiheit in Preußen eingeführt. Am 21. Juni 1869 wird die Gewerbefreiheit per Reichsgesetz weiter ausgedehnt. Jeder Bürger ist nun berechtigt, einen Handwerksbetrieb zu gründen.

Am 18. Juli 1881 erscheint eine Novelle zur Gewerbeordnung, durch die die Errichtung von Innungen gefördert werden soll. Das Gesetz sieht zudem die Bildung von Innungs-Ausschüssen vor. Nach umfassenden Vorbereitungen wurde am 18. Juli 1884 der Innungs-Ausschuss Bochum, der Vorläufer der heutigen Kreishandwerkerschaft Bochum, gegründet. Zu diesem Zeitpunkt existierten in Bochum acht Innungen.

Die ganze Familie, auch die kleine Ute hilft mit, damit die Dachdecker schnell mit Material versorgt werden und das Haus rechtzeitig Winterfest wird. Quelle: Bundesarchiv

1908 war das Jahr, das dass Handwerk für immer verändern sollte. Am 30. Mai 1908 wird mit einer Novelle zur Gewerbeordnung der "kleine Befähigungsnachweis" eingeführt, nach dem jeder, der Lehrlinge im Handwerk ausbilden will, das 24. Lebensjahr vollendet und in dem betreffenden Handwerk die Meisterprüfung abgelegt haben muss. Die Novelle wird heute allgemein als Fundament des dualen Systems der Berufsausbildung betrachtet. Die Gewebeordnung wird schließlich novelliert. Sie wird heute allgemein als Fundament des dualen Systems der Berufsausbildung betrachtet.

1909, 25 Jahre nach Errichtung der handwerklichen Selbstverwaltung in Bochum, zog man erstmals Bilanz. Es gehörten mittlerweile 1500 Betriebe den Innungs-Ausschuss an, die Zahl der Innungen betrug 13.
Eine eigenständige Dachdecker Innung existierte zu diesem Zeitpunkt in Bochum noch nicht. Die Dachdecker wurden durch die Gesamtinnung Nord, ein Zusammenschluss unterschiedlicher Handwerker, vertreten. Der Gesamtinnung stand Obermeister K. Schmidt vor. 
 

Die Gründung der Bochumer Innung fiel in die Zeit der Weimarer Republik.

Im Jahre 1922 schlossen sich die Dachdecker erstmals zu einer Zwangsinnung zusammen, deren Vorsitz DDM Michel André übernahm. Es war der erste Schritt, die ortsansässigen Dachdecker zu einer Gemeinschaft zusammen zu führen.
Die Amtszeit von Obermeister Michel André endete 1924.

1924 wählten die Mitglieder den DDM Johann Gieseler zum neuen Obermeister der Bochumer Dachdecker-Zwangsinnung. Im Jahre 1927 wurde aus der Dachdecker-Zwangsinnung die Freie Dachdecker-Innung Bochum. Auch diesem Zusammenschluss stand der gebürtige Harpener als Obermeister vor.

Das verwirrende Nebeneinander von Zwangsinnungen und Freien Innungen, von regionalen, lokalen und Stadtteil-Innungen führte im Jahre 1929 dazu, dass die Stadtverwaltung und der Regierungspräsident den Vorstoß unternahmen, die Innungsgrenzen den kommunalen Grenzen anzupassen, um innerhalb eines Stadtbezirks für jede Fachgruppe eine größere, leistungsfähigere Innung zu bilden.

Doch auch damals brachten Veränderungen nicht nur Fürsprecher zu Tage sondern auch Gegner die überhaupt nicht daran dachten Ihre Eigenständigkeit aufzugeben.
So war doch zuletzt das ansässige Handwerk in Langendreer-Werne ein hartnäckiger Brocken für den amtierenden Regierungspräsidenten.
Sie brachte diesen zur Verzweiflung und schließlich resignierte er.

1949 Ein luftiger Arbeitsplatz. Quelle: Bundesarchiv

Redewendung:
"Das kannst du halten wie ein Dachdecker!"
Die Redewendung kommt daher, dass sich früher weder Bauherr noch Architekt auf das Dach getraut haben, um die Arbeiten zu kontrollieren.
Die Dachdecker konnten also so arbeiten wie sie wollten.

1933 wurde DDM Johann Gieseler von den 27 Mitgliedern wieder zum Obermeister der Freien Dachdecker-Innung gewählt.
Wir können heute nicht genau sagen, ob Johann Gieseler über seine gesamte Amtszeit von 1924 bis 1945 als Obermeister der Innung vorstand oder durch die Machtergreifung des nationalsozialistischen Regimes vorübergehend ausgetauscht wurde.
Doch eins ist gewiss: Johann Gieseler war der Obermeister der die Dachdecker-Innung durch die damaligen schweren Zeiten in eine neue Zukunft führte.

Die Machtergreifung des nationalsozialistischen Regimes im Jahre 1933 bleibt nicht ohne Folgen für das Bochumer Handwerk. Seit Anfang April 1933 konnten die Bochumer-Zeitungen fast täglich von Gleichschaltungsmaßnahmen berichten.

Zeitungsartikel 9. Mai 1933:
Neue Führung in allen Berufen-nationalsozialistische Leitung in Angestellten und Beamtenverbänden; Gleichschaltung der Bochumer-Innung.
Verbot der Wanderschaft für Wandergesellen!

Durch das Gesetz über den vorläufigen Aufbaus des deutschen Handwerks vom 29. November 1933 verloren die Institutionen des Handwerks ihren Charakter als demokratische Selbstverwaltungsorgane. Mit Verordnung vom 15. Juni 1934 wurden alle Freien Innungen und Zwangsinnungen durch Pflichtinnungen unter autoritärer Leitung abgelöst.

Am 15. September 1934 ordnete die Handwerkskammer Dortmund die Einrichtung der Kreishandwerkerschaften und Pflichtinnungen nach den neuen Vorgaben an.
Die Kreishandwerkerschaft Bochum tritt nun an die Stelle des Innungs-Ausschusses Bochum und schloss zudem Langendreer und Wattenscheid an. Sämtliche bestehenden Innungen wurden formal geschlossen, als Pflichtinnungen neu gegründet und in die Kreishandwerkerschaft eingegliedert.

18. Januar 1935 wurde der große Befähigungsnachweis als Voraussetzung für den selbstständigen Betrieb eines Handwerks als stehendes Gewerbe eingeführt.

 

1949 Dachpappe wird angeteert. Quelle: Bundesarchiv

Obermeister der Dachdecker-Innung Bochum:

Am 12. März 1945 legt Obermeister Johann Gieseler sein Amt nieder. Die Amtszeit von Johann Gieseler begann 1924 und endete 1945.

Der stellvertretende Obermeister Josef Schwarze übernimmt bis zur nächsten Wahl kommissarisch das Amt des Obermeisters.

08. Juli 1946 wird der Gerther DDM Josef Schwarze von den Mitgliedern zum Obermeister gewählt; sein Stellvertreter wird DDM Ludwig Leidheiser.
22. Januar 1951: Wiederwahl des Obermeisters Josef Schwarze und seines Stellvertreters Ludwig Leidheiser.
29. Januar 1952: Es Kommt zu einer Nachwahl des Obermeisters, weil der amtierende Obermeister Josef Schwarze am 20. Dezember 1951 verstarb.
Die Amtszeit von Obermeister Josef Schwarze begann 1945 und endete 1951.

Wissenswertes:
Josef Schwarze war der Vater von des uns allen bekannten DDM Paul Schwarze der von 1966 bis 1989 dem Vorstand zugehörig war und für sein 50 jähriges Meister-Jubiläum den goldenen Meisterbrief verliehen bekam.

Ludwig Leidheiser wird in der Nachwahl zum neuen Obermeister gewählt, sein Stellvertreter wird DDM Paul Wahle. Der 1893 geborene Ludwig Leidheiser war bei Antritt seines Amtes schon 60 Jahre alt und er blieb bis zum 73. Lebensjahr im Amt.

05. Mai 1952: Johann Gieseler wird zum ersten Ehren-Obermeister der Dachdecker-Innung-Bochum ernannt; leider verstarb Johann Gieseler am 15.09.1953.
Johann Gieseler war zwanzig Jahre Obermeister und die zentrale Schlüsselfigur der heutigen Dachdecker-Innung Bochum.

19. Februar 1954: Wiederwahl des Obermeisters Ludwig Leidheiser und seines Stellvertreters Paul Wahle.
24. Januar 1957: Wiederwahl des Obermeisters Ludwig Leidheiser und seines Stellvertreters Paul Wahle.
14. Januar 1960: Wiederwahl des Obermeisters Ludwig Leidheiser und seines Stellvertreters Paul Wahle.
Am 25.01.1962 verstirbt der stellvertretende Obermeister Paul Wahle. In der Nachwahl zum Stellvertretenen Obermeister wir DDM Paul Blank gewählt.
31. Januar 1963: Wiederwahl des Obermeisters Ludwig Leidheiser und seines Stellvertreters Paul Blank.
Die Amtszeit von Obermeister Ludwig Leidheiser begann 1952 und endete 1966.
Am 15. Juni 1966 wird DDM Ludwig Leidheiser zum zweiten Ehren-Obermeister der Dachdecker-Innung Bochum ernannt, er behielt seinen Ehrentitel bis zu seinem Tode im Januar 1972.
Er war ein Urgestein seiner Zeit und hat großen Anteil an der Weiterentwicklung der Dachdecker-Innung Bochum.
23. März 1966: DDM Paul Blank wird zum neuen Obermeister gewählt, sein Stellvertreter wird DDM Wilhelm Grauthoff.
12. März 1969: Wiederwahl des Obermeisters Paul Blank und seines Stellvertreters Wilhelm Grauthoff.
Die Amtszeit von Obermeister Paul Blank begann 1966 und endete 1972.

Quelle: Bundesarchiv

09. Februar 1972: Fusion der Dachdecker-Innung Bochum mit der Dachdecker-Innung Wattenscheid zur Dachdecker-Innung Bochum.
Die Neuwahlen machten den beliebten und geschätzten DDM Wilhelm Grauthoff für die nächsten zwei Jahre zum neuen Obermeister.
Sein Stellvertreter wurde DDM Gerhard Jablonowski.
23. Januar 1974: Wiederwahl des Obermeisters Wilhelm Grauthoff und seines Stellvertreters Gerhard Jablonowski.
20. März 1979: Wiederwahl des Obermeisters Wilhelm Grauthoff und seines Stellvertreters Gerhard Jablonowski.
20. März 1984: Wiederwahl des Obermeisters Wilhelm Grauthoff und seines Stellvertreters Gerhard Jablonowski.
13. Februar 1989: Wiederwahl des Obermeisters Wilhelm Grauthoff und seines Stellvertreters Gerhard Jablonowski.

22. Oktober 1992: der stellvertretende Obermeister Gerhard Jablonowski übergibt den Betrieb an seinen Sohn. stellt sein Amt zur Nachwahl zu Verfügung und geht in den wohlverdienten Ruhestand.
DDM Jürgen Hoose wird zum neuen stellvertretenden Obermeister gewählt.
Die Amtszeit von Obermeister Wilhelm Grauthoff begann 1972 und endete 1994.
Er war 9 Jahre Lehrlingswart, 6 Jahre stellvertretender Obermeister und 22 Jahre Obermeister der Dachdecker -Innung Bochum.
34 Jahre Vorstandsarbeit macht ihn zum Garant der Innungsgeschichte. Man kann heute mit Überzeugung sagen, dass mit Obermeister Wilhelm Grauthoff die Neuzeit im Bochumer Dachdeckerhandwerk begann.
Nach seiner Amtszeit wurde er am 07. September 1994 zum dritten Ehren-Obermeister der Dachdecker-Innung Bochum ernannt.
Er ist bis heute, September 2011, immer noch Ehrentitelträger und erfreut sich bester Gesundheit und das mit mehr als 80 Lebensjahren.
Lieber Ehrenobermeister, wir wünschen Dir Gesundheit und noch viele gute Jahre hier auf Erden.

Quelle: Bundesarchiv

24. März 1994: DDM Raimund Weinand sen. wird zum neuen Obermeister der Dachdecker-Innung Bochum gewählt.
Sein Stellvertreter wurde DDM Frank Didzoleit.
22. April 1999: Wiederwahl des Obermeisters Raimund Weinand sen. und sein neu gewählter Stellvertreter DDM Peter Deckert.
Die Amtszeit von Obermeister Raimund Weinand sen. begann 1994 und endete 2004. 10 Jahre war Obermeister Raimund Weinand sen. im Amt und unter seine Leitung führte er die Dachdecker-Innung Bochum in das nächste Jahrtausend.

25. Mai 2004: Dachdecker- und Zimmerermeister Stephan Eickhoff wird von den Mitgliedern zum neuen Obermeister der Dachdecker Innung Bochum gewählt.
Sein Stellvertreter bleibt der bis dato stellvertretender Obermeister Peter Deckert.
29. April 2009: Wiederwahl des Obermeisters Stephan Eickhoff und seines Stellvertreters Peter Deckert.

27. Mai 2014: Neuwahlen für die Ehrenämter der Dachdecker-Innung Bochum.
Obermeister Stephan Eickhoff steht nach 10 Jahren Amtszeit für eine Wiederwahl zum Obermeister nicht mehr zur Verfügung. Seine Erklärung: "Wenn es am Schönsten ist, sollte man aufhören."
Wir danken Obermeister Eickhoff für seinen vorbildlichen Einsatz und sehr guten Vorstandsarbeit. Er hat die Dachdecker-Innung über Bochums Grenzen hinausgeführt. Mit ihm begann die moderne Form von Innungsarbeit. Wir wünschen DDM Stephan Eickhoff für all seine neuen Aufgaben und Ziele alles Gute.

Auch sein Stellvertreter DDM Peter Deckert steht nicht mehr für eine Wiederwahl zum stellvertetenden Obermeister und Lehrlingswart zur Verfügung. Seine Erklärung: "Ich möchte Platz machen für jüngere Kollegen."
DDM Peter Deckert war 20 Jahre mit vollem Einsatz für die Innung im Vorstand tätig. Er leitete über ein Jahrzehnt federführend den Auftritt der Bochumer Dachdecker-Innung bei der "Immobilia" und war der tatkräftige Initiator bei der Berufsbildungsmesse "Was geht!" Lieber Peter, wir danken Dir für deinen unbändigen Einsatz und wünschen Dir für Deine Zukunft alles Gute!

Dachdecker- und Klempnermeister Raimund Weinand jun. wird von den Mitgliedern zum neuen Obermeister der Dachdecker-Innung Bochum gewählt.
Sein Stellvertreter wird DDM Georg Bothur.
Patrick Amiche wird zum neuen Lehrlingswart gewählt. Sein Stellvertreter wird Rolf Konow.
In den Vorstandsbeisitz werden Jörn Hoose, Rolf Konow und Patrick Amiche gewählt.
In den Ausschuss für Lehrlingsstreitigkeiten werden Udo Brück, Pascal Jakob und Tim Rex gewält.

Danksagung:
Allen Obermeistern und Stellvertretern, sowie den Vorstandsbeisitzern, den vielen Amtsträgern, aber ganz besonders den Mitgliedern sei Dank, für Ihren übermäßigen Einsatz und Ihrer idealistischen Überzeugung, das die Dachdecker-Innung Bochum seit fast 90 Jahren besteht und sich bis heute weiterentwickeln konnte.

DDM Georg Bothur 
 

Gott schütze unser ehrbares Handwerk zwischen Himmel und Erde.


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